St. Agnes     Demonstration in Stuttgart

 

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                                                                                                                                  Stuttgart, 8. Juni 2010
Liebe Eltern,

seit unserer Aktionen im Dezember und unserer großen Demonstration im Januar dieses Jahres sind Entscheidungen bezüglich der Weiterentwicklung der Finanzierung der Freien Schulen von Seiten der Stadt Stuttgart und des Landes gefallen und viele Gespräche geführt worden. Herr Staiber, unserer Geschäftsführer hat mir nun ausführliche Informationen zukommen lassen, die ich etwas zusammenfasse und an Sie weitergebe.

Wir haben an drei Stellen um Finanzierungsmittel gebangt und gekämpft und waren dabei nicht sehr erfolgreich, was den Ertrag unserer Anstrengungen betrifft.
Wir hatten nach unseren zahlreichen Gesprächen mit den Fraktionen im Stadtrat gehofft, dass die Stadt einen Teil der geplanten Kürzungen bei den städtischen Zuschüssen zurücknimmt. Dem war dann doch nicht so. Das heißt, wir haben nichts erreicht, außer dass wir vielleicht Schlimmeres verhindert haben. In St.Agnes fallen uns dadurch rund 30 000 Euro weg.

Im Rahmen der Förderung Konjunkturpaket II des Bundes hat die Stadt Stuttgart die Freien Schulen zunächst überhaupt nicht berücksichtigt, obwohl die Sanierungsgelder trägerneutral hätten vergeben werden müssen. Im Wege eines gerichtlichen Vergleichs wird es nun Gelder zur energetischen Sanierung des Schwimmbadbaus in der Langestraße für unsere Schule geben. Bei der energetischen Sanierung des Gebäudes in der Firnhaberstraße, unseres ältesten Bauabschnitts, hoffen wir vom Sanierungsprogramm des Hospitalviertels profitieren zu können. Mit der Sanierung des Gebäudes in der Langestraße werden wir noch dieses Jahr beginnen, sobald die Zuschussbescheide vorliegen.
Der letzte rasche Vergleich ging sicher nicht allein auf die Beurteilung des Gerichts zurück, sondern auch auf den Einsatz von Seiten der Schulen und Eltern gegenüber der Stadt. Laut Stuttgarter Zeitung hat Bürgermeister Föll jetzt erkannt, dass die Gelder der Stadt nicht verlorengehen, weil auch Stuttgarter Kinder unsere Schule besuchen. Wir bedanken uns für alle Unterstützung, die solche Erkenntnisse wachsen lassen.

Unsere große Demonstration im Januar hat in der Öffentlichkeit großen Eindruck hinterlassen, die Abgeordneten aber nicht sehr nachhaltig beeinflusst. Auf unsere Bestrebungen hin, endlich einen verbindlichen Stufenplan für die Finanzierung der Freien Schulen aufzustellen, haben wir seitens der Landesregierung nur Aussagen erhalten, worin sie auf die Erhöhungen 2010/2011 im Bereich der Grund- und Hauptschulen sowie einigen beruflichen Schulen verweisen. Zu weiteren Zugeständnissen war die Politik bis heute nicht bereit. Die hohen finanziellen Lasten aufgrund der Wirtschaftskrise werden als Hauptgrund angeführt.

Wir können diese Argumentation nicht nachvollziehen und auch nicht akzeptieren, da aufgrund der Entwicklung der Freien Schulen dem Land nicht unerhebliche Einsparungen möglich sind, die nun aber dem öffentlichen Schulwesen zufließen. Dies bestätigt auch die Tatsache, dass der Klassenteiler in den Grundschulen schon jetzt gesenkt wird und diese zusätzlichen Kosten offensichtlich nicht unter die oben genannten Haushaltsrestriktionen fallen. Auch wird immer wieder auf die absolut gestiegenen Ausgaben für die Freien Schulen verwiesen. Leider wird dabei völlig außer Acht gelassen, dass es sich um Fortschreibungen bestehender Zuschüsse aufgrund der Preis- und Gehaltssteigerungen handelt und zugleich die Zahl der an Freien Schulen unterrichteten Schüler und Schülerinnen deutlich zugenommen hat. Auch nicht zugegeben wird, dass diese Schüler an den öffentlichen Schulen entfallen, wo sie für die öffentlichen Kassen deutlich teuerer wären. Die Kosten müssten von der öffentlichen Hand zu 100 % gedeckt werden.
Insgesamt sinken so die absoluten Ausgaben des Landes und diesen Widerspruch können wir nicht akzeptieren.

Die Landesregierung hat sich nun bereit erklärt, nochmals eine Vergleichsberechnung für das Rechnungsjahr 2009 vorzunehmen. Diese soll klären, ob die Finanzierung weiter rückläufig ist und ob gegebenenfalls ein zeitnaher Anpassungsbedarf besteht. Hier soll überlegt werden, ob im Rahmen des anstehenden Nachtragshaushaltes eine Verbesserung vorgesehen werden kann. Diese Hoffnung müssen wir allerdings mit Vorsicht bewerten, da auch hier auf die aktuellen Haushaltsengpässe verwiesen wurde.

Die parlamentarische Opposition hat sich intensiv mit der Frage der Finanzierung Freier Schulen auseinandergesetzt. Hier werden die Zusammenhänge sehr klar angesprochen und man hat den Eindruck, dass hier auch ein großes Verständnis der Detailfragen vorhanden ist. Entsprechende Anträge der Opposition wurden aber bisher von der Landesregierung abgelehnt. Von den meisten örtlichen Landtagsabgeordneten unserer Schulstandorte haben wir nachhaltige Unterstützung erfahren. Leider haben deren Bemühungen derzeit noch nicht den erwünschten Erfolg.

Für die beruflichen Gymnasien hat sich eine geringfügige Verbesserung ergeben. Für diese Schulart wird nun ein eigener Zuschusssatz ermittelt. Sie sind vom Aufwand her teurer als die allgemeinbildenden Gymnasien und wurden bisher mit demselben Satz bezuschusst.

Was haben wir bisher erreicht?
Durch unsere vielen Gespräche mit Abgeordneten und Politikern aller Art und unseren Aktionen in der Öffentlichkeit haben wir für unser Anliegen eine Öffentlichkeit geschaffen, die erhalten werden muss.
Die Verantwortlichen sind mindestens für unsere Probleme sensibilisiert worden und wissen auch, dass sie von den ursprünglichen Zielen noch weit entfernt sind.
Auch haben die meisten nun das Problem der 80% als Zielgröße wahrgenommen.
Wir haben unsere Schulen in die Öffentlichkeit gebracht als Schulen, die für alle zugänglich sein sollten und dass unsere Kinder nicht Kinder zweiter Klasse sein dürfen.

Unsere eigentlichen Ziele sind noch lange nicht erreicht: die Anhebung der Zuschüsse auf 80 % der Kosten vergleichbarer öffentlicher Schüler und die Automatisierung dieser Anpassung in kürzeren Zeitabständen. So könnten wir auch an den höheren Aufwendungen der Bildungsoffensive teilhaben, die zur Zeit ganz an uns vorbeigeht, was die finanziellen Wohltaten angeht.

Es ist fraglich, ob beides in einem Schritt gelingen kann, deshalb laufen die Verhandlungen mit den Parteien darauf hinaus, diese zu einer verbindlichen Zusage für einen Stufenplan zu bewegen. Ohne weiteren öffentlichen Druck wird dies vermutlich nicht zu erreichen sein. Dieser wird sich letztlich auf den Landtagswahlkampf 2010/11 beziehen müssen. Hier sind wir weiterhin auf die Unterstützung vieler Eltern angewiesen. Wir bitten Sie daher, mit Landtagsabgeordneten und Vertretern der Parteien die ungelösten Probleme der Finanzierung der Freien Schulen und die notwendige Gleichbehandlung anzusprechen, wo immer Sie Gelegenheit haben. Die Eltern sind gerade im Wahlkampf eine nicht zu übersehende Gruppe. Auch die Arbeitsgemeinschaft Freie Schulen muss natürlich mit Nachdruck aktiv bleiben.

Liebe Eltern, wir werden Sie über weitere Entwicklungen unterrichten und hoffen, dass wir gemeinsam unsere Ziele erreichen und unsere Schulen für alle Kinder offen bleiben können.

Mit freundlichen Grüßen

Ihre Sr. Iris Rederer

 

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