St. Agnes         Französisch

 

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Ein Besuch in unserer Partnerschule, dem Centre Madeleine Daniélou in Rueil-Malmaison

Bei einer Reise nach Paris konnte ich die Gelegenheit wahrnehmen, das Centre Madeleine Daniélou in Rueil-Malmaison zu besuchen, mit dem wir schon seit 1998 einen Schülerinnenaustausch haben. Zwölf Jahre lang war ich brieflichoder über Email in Kontakt mit Französinnen unter der schönen Adresse „Les Amitiés Franco-Allemandes, Centre Madeleine Daniélou, 61, rue du Général de Miribel, 92500 Rueil-Malmaison“ und war nun gespannt

auf Frau Vanackere, Frau Rebuffet, Frau Renard und Frau Jumeau, auf Lehrer und Schülerinnen. Ich wusste schon einiges über die Schule durch ihre offizielle Schulbroschüre: eine Mädchenschule in der Trägerschaft einer geistlichen Gemeinschaft, der Communauté Saint-François-Xavier, nach deren Gründerin Madeleine Daniélou sie benannt ist. In den Schulen dieser Gemeinschaft geht es „um Bildung von Verstand, Willen und Gemüt, um die Entwicklung einer eigenständigen Urteilsfähigkeit und die Entfaltung von Charaktereigenschaften, die es den jungen Menschen ermöglichen, ihre Verantwortung wahrzunehmen“, wie es in ihrer Broschüre formuliert ist. Unsere beiden Schulen haben also viele Gemeinsamkeiten.
Meine Begleiterin und ich fuhren also am 18. 2. 2010 mit Bus und RER nach Rueil-Malmaison, In einer knappen halben Stunde kamen wir dort an und mussten am Bahnhof nicht lange warten. Schon hielt ein Auto und die beiden Damen, die ausstiegen, schauten uns fragend an. Es waren Madame Vanackere und Madame Rebuffet, Frauen aus der Elternschaft, die die Amitiés Franco-Allemandes ehrenamtlich betreuen bzw. betreut haben, denn Madame Rebuffet ist nun nach vielen Jahren Engagement ausgestiegen. Sie fuhren mit uns durch das Städtchen Rueil-Malmaison im Pariser Vorortbereich, erklärten uns unterwegs, dass sich in der Kirche das Grab von Napoléons Gattin Joséphine befinde, da Napoléon ihr das Schlösschen von Malmaison geschenkt habe. Die Fahrt ging bis an den Rand der Stadt und endete auf einer Anhöhe am Waldrand, auf einem großen Parkplatz mit den Autos der etwa 150 Lehrkräfte und anderen Mitarbeitern.
Im Eingangsbereich mussten wir noch etwas warten bis zum vereinbarten Treffen um halb zwölf Uhr mit der stellvertretenden Schulleiterin, Mademoiselle Guillot (die Mitglieder des Säkularinstituts Saint-François-Xavier werden mit Mademoiselle angeredet), die uns durch die Schulgebäude in ihr Büro führte. Uns fiel auf, dass es im Haus sehr ruhig war. Mademoiselle Guillot nahm sich viel Zeit für uns. Die Schule hat etwa dieselbe Schülerzahl wie St. Agnes und ist Collège und Lycée, könnte also mit einem deutschen Gymnasium verglichen werden. Dazu gibt es aber nach dem Abitur noch die classes préparatoires, die in zwei Jahren auf die Aufnahmeprüfung von Grandes Ecoles verschiedener Fachrichtungen vorbereiten. Diese Classes préparatoires sind gemischt, während Collège und Lycée Mädchenschulen sind.
Was für mich in diesem Gespräch besonders eindrucksvoll war, ist das Bemühen, für die jungen Menschen da zu sein, ihnen neben den Lehrerinnen und Lehrern auch Personen an die Seite zu stellen, zu denen sie mit persönlichen Dingen kommen können und die sich um die menschliche Seite kümmern. Für jede Klassenstufe gibt es eine solche „responsable“. Wir erzählten auch von St. Agnes und das Gefühl, dass unsere beiden Schulen gut zusammenpassen, verstärkte sich noch.
Schon bald war es Zeit zum Mittagessen. In der Schulkantine wird das Essen in mehreren Schichten ausgegeben, weil durch das große Einzugsgebiet und aufgrund des täglichen Nachmittagsunterrichts alle Schülerinnen und Schüler das Essen an der Schule haben. Als wir die Kantine betraten, waren die Tische schon gefüllt mit jungen Leuten, die interessiert zu uns Gästen herschauten und unseren Gruß freundlich erwiderten. Hinter der Theke agierte ein ansehnliches Team von Köchen und Köchinnen in weißen Mützen. Wir beluden unsere Tablette und wurden damit in einen Raum geführt, in dem wir die Mahlzeit in Ruhe einnehmen konnten. Auch die beiden Deutschlehrerinnen kamen dazu, mussten sich aber bald wieder verabschieden, weil sie Nachmittagsunterricht hatten. Sie äußerten sich sehr lobend über unsere Schülerinnen, die bis jetzt am Austausch teilgenommen hatten. In der 6e, die unserer 5. Klasse entspricht, haben die Schülerinnen die Wahl zwischen Englisch und Deutsch. Zwischen 30 und 50 Schülerinnen wählen Deutsch. Dass sie alle in einer Klasse vereint sind, wie dieses Schuljahr in der 5e, ist eher die Ausnahme. An der Schule besteht schon ein Schüleraustausch mit einer Schule in Deutschland, sodass wir leider nicht hoffen können, dass aus dem privaten Austausch auch einmal ein Gruppenaustausch wird. Aber vielleicht besuchen uns die Deutschlehrerinnen einmal, sodass die Kontakte auch auf dieser Ebene intensiver werden, denn in den zwölf Jahren unserer Partnerschaft hat sich die Zahl der Teilnehmerinnen beständig etwas erhöht. Dieses Schuljahr konnten wir schon mehr als 25 Austauschpaare zusammenführen.
Nach dem Essen sahen wir auch die „Amitiés Franco-Allemandes“: vor der Tür eines Klassenzimmers ein Briefkasten und ein Plakat, das zum Austausch einlädt und die Zeiten angibt, zu denen Schülerinnen in diesem Klassenzimmer nach Austauschpartnerinnen fragen und die ausgefüllten Anmeldebögen abgeben können. Das Büro, das ich mir vorgestellt hatte, war also nur ein Schrank. Unterwegs trafen wir auch die Schülerin Christelle, die ich schon bei ihrem Besuch in Stuttgart kennen gelernt hatte. Wir freuten uns beide über diese Begegnung und sie trug uns Grüße an ihre Austauschpartnerin Inke auf. Die Arbeit, die die ehrenamtlichen Frauen, Mütter von Schülerinnen, hier tun, entlastet die Lehrerinnen sehr. Von der Information und Motivation bis hin zur Organisation und dem Briefverkehr mit Deutschland erledigen sie alles und sind sehr verlässliche Partnerinnen. Leider konnten wir nicht alle kennenlernen, mit Madame Renard sprach ich am Telefon, sie hatte keinen Babysitter gefunden, Madame Jumeau hatte einen Arzttermin.
Wir verabschiedeten uns herzlich von Mademoiselle Guillot und sahen im Freien noch ein bisschen den Schülerinnen zu, die sich in der Mittagspause auf dem Sportplatz tummelten. Man hat von hier aus einen herrlichen Blick auf Paris. Madame Rebuffet und Madame Vanackere brachten uns wieder zur RER und wählten die Wegstrecke so aus, dass wir einen Blick auf Josephines Schlösschen werfen konnten.
Ich war sehr froh, diese Frauen persönlich kennen gelernt zu haben und ihnen auch einmal persönlich danken zu können. Wir haben Glück, dass es die Amitiés Franco-Allemandes gibt! Es lebe die deutsch-französische Freundschaft!

Sr. Heidrun

 

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