St-Agnes     Besuch in Sri Lanka

 

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Schülerinnen des St. Agnes-Gymnasium
zu Gast am Hillwood Colleges in Kandy,
Sri Lanka

Trotz gewisser Skepsis gegenüber einem Schüleraustausch mit dem fernen Sri Lanka siegte bei mir die Neugier und die Liebe zu Asien, als kurzfristig Anfang Februar 2010 Frau Pfleiderer eine neue Begleitperson für den ersten Schüleraustausch nach Sri Lanka suchte. Die Reise wurde zu einer überwältigenden Erfahrung.

Erst im Laufe des Aufenthaltes wurde mir klar, was es für die Kinder, Lehrer und Eltern unserer Partnerschule Hillwood College, Kandy, bedeutete, dass nach fast 30 Jahren Bürgerkrieg eine Gruppe von Jugendlichen aus Deutschland zu Besuch kam.
Das erste Anzeichen war am ersten Tag eine zweistündige Schulversammlung, bei der unsere Ankunft gefeiert wurde wie bei einem Staatsbesuch: Reden, Trommeln, Tänze, Folklore, Gesang, Instrumentalmusik und eine Präsentation über Schule und Land.

Bei der darauf folgenden Führung durch die Schule wurden wir im ganzen Gelände umringt von strahlenden Kindergesichtern (soviel Freude auf einem Fleck erlebt man in Europa nie), wurden neugierig bestaunt (ein Kind wagte es zum Entsetzen ihrer Klassenkameradinnen meinen weißen Arm zu berühren – sie musste offensichtlich unbedingt wissen, wie sich das anfühlt) und wurden von kleinen und großen Kindern auf Deutsch angesprochen.
Als eine der ersten Schulen Sri Lankas hat Hillwood nämlich vor einem Jahr Deutsch eingeführt. Der Lehrer (eine Seele von Mensch) steht zweimal die Woche um 4 Uhr auf, um zweieinhalb Stunden (einfache Strecke) mit dem überfüllten Überlandbus von Colombo nach Kandy zu fahren. Seine Schützlinge waren begeistert an uns „Guten Tag“, „Wie heisst Du?“ und Tschuuuuss (ohne Umlaut) ausprobieren zu können, und selbstverständlich wurden wir alle für den Deutschunterricht engagiert.

Bei der umwerfenden Gastfreundlichkeit, die wir erfahren haben (meistens waren es Eltern, die unsere Veranstaltungen organisierten, uns alle zu leckerem Essen in ihre Privathäuser und in Hotels einluden oder der Link Club, der gegründet wurde, um mit Jahresbeiträgen Austauschaktivitäten zu subventionieren), hatte ich das Gefühl, dass dabei die Freude über das Ende des zermürbenden Bürgerkriegs immer wieder mitschwang. Jetzt war es Zeit zu feiern! Bei einer von Eltern organisierten Übernachtung in einem Gästehaus im Hochland hatten wir den Eindruck, dass wir seit 30 Jahren die ersten Gäste waren.

In einer Pension, wo so lange die Touristen ausgeblieben sind, darf man natürlich nicht alles auf Hochglanz poliert erwarten! Der Mann einer Hillwoodkollegin, Absolvent an der TU Berlin in der Fachrichtung Ingenieurwesen, lud uns alle am letzten Abend zu einem Festessen ins Hotel ein – er wollte seine Dankbarkeit dem deutschen Volk gegenüber zum Ausdruck bringen. Jetzt endlich könne er es tun. Erst seit einem Jahr, erzählte ein anderer Kollege, würden er und seine Frau sich trauen im gleichen Fahrzeug zu reisen. Vorher hatten sie wegen ihrer Kinder Sorge im Falle eines Anschlages gemeinsam zu sterben. So etwas können wir uns als Alltagsrealität einfach nicht vorstellen. Auf einem solchen Hintergrund haben Lebensfreude und Dankbarkeit eine ganz andere Bedeutung.

Wir sind sehr gespannt, wie sich dieses unglaublich schöne und fruchtbare Land mit seinem großen Potential weiter entwickeln wird. Nur 9% sind Analphabeten – Bildung hat einen ganz hohen Stellenwert.

So erfuhren wir jeden Tag auf mannigfaltige Art und Weise wie viel unser Besuch für Hillwood bedeutete und wie sehr ihnen am kulturellen Austausch und an der Partnerschaft mit St. Agnes liegt.

Wir wurden in vielerlei Hinsicht so reich beschenkt, es war fast beschämend.

Zum Glück hatten wir einige Geschenke für die zahllosen guten Geister im Hintergrund unseres Besuchs dabei, Bücher für die Deutschfachschaft und für das schuleigene Waisenhaus auf dem Gelände (Evelyn Home), Spielzeug und Schulmaterialien. Dort ist man übrigens sehr stolz, dass zum ersten Mal eine Schülerin aus dem Waisenhaus zur Schulsprecherin von Hillwood gewählt wurde. Eine Geldspende hatte es ihr ermöglicht, vor zwei Jahren beim ersten Besuch am Agnes dabei zu sein und sie begrüßte uns herzlich.

Für ein paar junge Hillwoodschülerinnen, deren Familien in Not geraten sind, suchen wir nun Paten, Sponsoren oder bitten um einen Beitrag zu ihren Schul- und Internatskosten, damit sie nicht auch noch aus ihrer vertrauten Umgebung gerissen werden. Wer helfen mag, setze sich bitte mit uns in Verbindung.

Barbara Thomas

 

Link zum Hillwood College in Kandy, Sri Lanka.

 

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