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„Denn wir wissen, was wir tun!“
Wie
sich das St. Agnes Mädchengymnasium gegen den Einsatz
von Kindersoldaten stark macht.
„Ich träume immer noch von dem Jungen aus meinem
Dorf, den ich umgebracht habe. Ich sehe ihn in meinen
Träumen und er spricht zu mir. Er sagt, ich hätte
ihn ohne Grund getötet und dann weine ich.“
(Susan, 16 Jahre, von der Lord Resistance Army (LRA) in
Uganda entführt)
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Dieses
Schicksal ist bei weitem kein Einzelfall. Weltweit kämpfen
über 250 000 Kinder als Soldaten in den Kriegen der
Erwachsenen. Meist werden sie bei Nacht und Nebel gewaltsam
aus ihren Familien gerissen, um an die Frontlinie geschickt
zu werden. Fast schockierender ist jedoch, dass sich viele
Kinder aufgrund ihrer aussichtslosen finanziellen oder
familiären Lage freiwillig als Soldat melden. Doch
im Krieg erwartet sie eine Situation, die diese Aussichtslosigkeit
noch übersteigt. Da Kinder als „Wegwerfartikel“
betrachtet werden, erhalten sie wenig oder überhaupt
keine militärische Ausbildung und werden somit völlig
unvorbereitet in den Kampf geschickt. Hier erfahren sie
bereits ab dem Alter von 10 Jahren, was es bedeutet, einen
Menschen zu töten. |
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Doch der seelische Missbrauch findet hier kein Ende, sondern
erreicht in der Behandlung von Mädchen, die als Sexsklavinnen
missbraucht werden, seine Fortsetzung.
All das geht natürlich nicht spurlos an den Kindern
vorbei, sondern wirkt sich entscheidend auf ihre Psyche
aus. So werden Kinder, die jahrelang für den Krieg
missbraucht wurden, immer wieder durch Geräusche
und Bilder an diese schrecklichen Erlebnisse erinnert,
was zu Panikattacken führt. Sie verlieren das Vertrauen
in eine friedlich soziale Gesellschaft und können
sich von der Drogenabhängigkeit, die durch das Verabreichen
von Rauschgift vor dem Kampf ausgelöst wurde, oft
nicht befreien. |
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Auch
an uns ist das Schicksal dieser Kinder nicht spurlos vorbeigegangen,
als wir durch ein Gemeinschaftskundeprojekt zum Thema
„Menschenrechtsverletzungen“ die Möglichkeit
hatten, uns ausgiebig mit diesem Thema zu beschäftigen.
Allein die Beschäftigung reichte uns nicht aus. Wir
wollten etwas gegen die derzeitige Situation von Kindersoldaten
unternehmen, wobei unsere Aufmerksamkeit auf die Aktion
Rote Hand fiel. Hierbei werden Kinder und Jugendliche
dazu aufgefordert, mit ihrem roten Handabdruck ein Zeichen
gegen den Einsatz von der Kindersoldaten zu setzen. Die
Handabdrücke werden mit einer Botschaft versehen
an den Bundes- und Landtagsabgeordneten des jeweiligen
Wahlkreises, mit der Bitte, sich für die Forderungen
der Aktion einzusetzen und politische Initiativen in die
Wege zu leiten, abgegeben. Zu diesen Forderungen gehören
das Herstellungsverbot von Kleinwaffen in Deutschland,
die an Kriegsgebiete geliefert werden, oder das Anklagen
der für den Einsatz von Kindersoldaten Verantwortlichen.
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| Wir
wollten diese Aktion als Großprojekt mit unserer
Schule, dem St. Agnes Mädchengymnasium Stuttgart,
durchführen und somit stellten wir sie der Schülermitverwaltung
(SMV) vor. Die Begeisterung, an dieser Aktion teilzunehmen,
war sowohl in der SMV als auch bei unserer Schulleiterin,
Sr. Iris Rederer, sofort sehr groß und schnell bildete
sich ein Komitee von acht Schülerinnen. Nun musste
alles sehr schnell gehen, da die Handabdrücke bis
zum 12. Februar 2010 an die Politiker übergeben werden
mussten, da dieser Tag den offiziellen Gedenktag an den
Einsatz von Kindersoldaten darstellt. Wir gestalteten
Plakate, damit sich die Schülerinnen über das
Thema Kindersoldaten und die Aktion Rote Hand informieren
konnten und kontaktierten die für unseren Wahlkreis
verantwortlichen Bundes- und Landtagsabgeordneten, die
sich sogleich begeistert für die Aktion zeigten.
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Am
25. und 26. Januar war es endlich so weit! Die Schülerinnen
hatten in den Pausen die Möglichkeit, ihren Handabdruck
mit einer persönlichen Botschaft versehen an den
im Schulhaus verteilten Ständen abzugeben. Bald sah
man im gesamten Schulhaus nur noch Schülerinnen mit
roten Händen, denn obwohl die Aktion in den in Schüleraugen
so wichtigen Pausen stattfand, war nach diesen beiden
Tagen eine beeindruckende Zahl von 800 Handabdrücken
zusammengekommen. Eine Woche später fand die Übergabe
an die Politiker statt. Wir erwarteten Brigitte Lösch
(Bündnis 90’ Die Grünen), Ute Vogt (SPD)
und Dr. Stefan Kaufmann (CDU) in der Aula unserer Schule
und auch unsere Schulleiterin, Sr. Iris Rederer, war bei
diesem Ereignis anwesend. |
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Die Aufregung war groß, als wir die Politiker mit
einem kurzen Vortrag über den Einsatz von Kindersoldaten
auf die Aktion einstimmten. Überrascht stellten wir
fest, dass sich die Politiker uns und der Aktion gegenüber
sehr offen zeigten und diese auch mit eigenen Ideen bereicherten.
Sowohl sie als auch unsere Schulleiterin vervollständigten
die Sammlung der Handabdrücke der Schülerinnen
mit ihren eigenen und nahmen sich anschließend noch
die Zeit, eine persönliche Botschaft zu verfassen.
Es schien fast so, als hätten wir die Politiker mit
unserer Begeisterung angesteckt und verblieben auch weiterhin
mit ihnen in Kontakt, denn die Aktion war zwar für
dieses Jahr abgeschlossen, was allerdings nicht das Ende
unserer Bemühungen gegen den Einsatz von Kindersoldaten
bedeutete. |
Wir sind
der festen Überzeugung, dass jeder Mensch die Möglichkeit
hat und diese auch ergreifen sollte, gegen Menschenrechtsverletzungen
vorzugehen. Dass hierfür nicht immer ein hoher
Geldbetrag gefordert ist, zeigt die Aktion Rote Hand,
bei der auch mit wenig Aufwand ein Zeichen gesetzt werden
kann. Je mehr Menschen sich an dieser Aktion beteiligen,
desto wirksamer kann sie vertreten werden. Wer sich
also in Zukunft daran beteiligen oder mit einem Geldbetrag
das Bestehen der Aktion Rote Hand unterstützen
möchte, kann sich unter www.aktion-rote-hand.de
informieren.
Das Schicksal
der Kinder unserer Welt geht jeden von uns etwas an
und deshalb hoffen wir, dass diese Aktion auch weiterhin
viele Menschen begeistern wird, damit ein baldiger Sieg
über den Missbrauch von Kindern als Soldaten möglich
ist.
Judith Beschle
und Katharina Zimmermann
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